Aktuell hungern 25 Millionen Menschen in Ostafrika.  Das sind nahezu so viele Menschen wie in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen leben. Wen regt es noch auf? Wer empört sich?

Unsere Bäuche kennen keinen lebensbedrohlichen Hunger mehr, auch keinen chronischen Hunger. Diese Klassifizierung allein bedeutet in unserer heutigen Welt der unbegrenzten Möglichkeiten Hohn und Spott. Lebensbedrohlicher Hunger bedeutet keine Mahlzeit am Tag oder eine dünne Blättersuppe oder einige Insekten.

Chronischer Hunger meint, das man allenfalls ein, maximal zweimal am Tag eine Portion Mais- oder Hirsebrei zu essen hat. Immer gleich, ohne Fleisch oder Fisch – ohne  die so lebenswichtigen Proteine. Auch das führt zu Mangelernährung.

Vor mehr als 20 Jahren hielt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Aktion pro Humanität als Medizinerin im westafrikanischen die ersten Hungerkinder in ihren Armen. „Es ließ mich vor Wut weinen, diese zerbrechlichen, ausgemergelten kleinen Menschenkinder mit den weisen Greisen-Gesichtern zu sehen, ihre bedrohliche Leichtigkeit zu fühlen. Die nächste physische Reaktion war ein Würgegefühl, die Rebellion des eigenen Magens gegen diesen Anblick des personifizierten Hungers. Immer wieder begegnen uns diese Situationen, in Benin und mehr noch im Wüstenstaat Niger.“

Elke Kleuren-Schryvers lernte Roland vor mehr als 20 Jahren in einem kleinen Dorf nahe Lokossa in Benin kennen. Er war damals gut zwei Jahre alt. Jetzt hat er gerade sein Ausbildung zum Computer-Techniker beendet und ist ein erwachsener, junger Mann. Damals hing auch sein Leben an einem seidenen Faden. Der Grund:  Hunger.

Marasmus, Kwashiorkor, schwerste Unterernährung mit Ödembildung sind medizinische Ausdrücke dafür, das man vor Hunger bald stirbt…

Im Krankenhaus der Aktion pro Humanität in Gohomey bekam er eine spezielle, eiweißreiche Aufbau-Nahrung

2017 – Die zwei Brüder heute

und medizinische Behandlung. So überlebte er. Allein hätten die beiden Brüder, Epiphan und Roland, es nicht schaffen können.

„Ich war hungrig und ihr gabt mir zu essen“, so kennen wir es als Wort in der Bibel. Aber für Roland aus Benin war es die knallharte Überlebens-Realität.

Das Schöne, es ist für uns alle hier kinderleicht, diese Situation des millionenfachen Hungers wenigstens an einigen Stellen in der Welt deutlich zu lindern – sowohl die der akuten Hungerkatastrophe aktuell in Ostafrika als auch die Situation des chronischen Hungers an vielen Orten unserer Welt an der Wurzel zu bekämpfen.

Kinderleicht deshalb, weil z.B. ein Päckchen PlumpyNut, eine sehr proteinreiche Nahrungspaste, die sogar noch ohne Wasser verzehrt werden kann von Kindern ab 6 Monaten, nur 36 Cent kostet.

36 Cent pro Tag und Kind. Für eine Tagesration therapeutischen Milchpulvers F-100,  die allerdings mit 500 ml abgekochten oder sauberen Trinkwassers angerührt werden muss, beträgt die Investition pro Tag und Mensch 63 Cent! Das alles sind z.B. die Überlebens-Basics für den akuten lebensbedrohlichen Hunger bei Kindern in den Feeding-Centern der Krankenstationen dieser Hunger-Regionen.

Weihbischof Rolf Lohmann regte diese Aktion im Kampf gegen die Hungersnot in Ostafrika bei einem Gespräch in der vergangenen Woche an. „Unser aller Gleichgültigkeit einer so ungeheuren Hungersnot gegenüber darf hier in Kevelaer und am Niederrhein so nicht weiter bestehen. Wir müssen leidenschaftlicher sein in unserem Mitleiden, engagierter in unserem Handeln für diese Menschen, die von ihrem Hunger zerfressen werden. Wir müssen konsequenter werden im Teilen, wenn es um die Abwendung von chronischem Hunger geht, Denn dieser raubt Menschen, Kindern vor allem, jegliche Chance auf normale körperliche und geistige Entwicklung.

Die dauerhafte, ganzjährige Bewässerungsmöglichkeit von Feldern zum Anbau von Gemüse, Hirse und Mais im Sahel kostet pro Mensch einmalig ca. 35 Euro. Damit ist über Jahre für tausende Menschen eine Perspektive geschaffen – nicht nur gegen den chronischen Hunger, auch gegen Flucht und Frustration, vielleicht sogar gegen Terror und Gewalt aus solchen Gefühlen der Chancenlosigkeit heraus.

„Wir müssen wieder lernen, der Hüter unseres Bruders, unserer Schwester in Not zu werden. Diese Mission ist uns aufgetragen, so der Rektor der Wallfahrt in Kevelaer weiter, „damit wir als Kirche und Gesellschaft die Botschaft des Evangeliums realisieren, sie authentisch und konkret in Übereinstimmung bringen mit den Bedürfnissen der Menschen in unsäglicher Not. So schaffen wir Glaubhaftigkeit und spürbare Veränderung und Perspektive“.

Die Aktion pro Humanität ruft gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Marien und einigen niederrheinischen Unternehmen sowie dem Klever Unternehmer Bernd Zevens dem und dem Verein „Wir helfen Kindern weltweit“ von der Grav-Insel in Wesel-Flüren zur akuten Hungerhilfe in Ostafrika auf.

Das gespendete Startkapital für die hungernden Menschen in Somaliland beträgt bisher durch das Engagement der genannten Unternehmen und Organisationen schon ca. 25.000 Euro. Nicht nur Worte sondern konkretes Handeln verändern unsere Welt!

Gemeinsam mit CAP ANAMUR – das bedeutet für die Aktion pro Humanität back to the roots – wird es im Norden Somalias, dem befriedeten und demokratischen, eigenständigen Staat Somaliland konkrete Hungerhilfe geben.

Dort arbeitet ein medizinisches Team von CAP ANAMUR in einer Klinik für Hungerflüchtlinge und mit einem Feeding-Programm für unterernährte Kinder. Der jetzige Frontman von CAP ANAMUR, der Kinderarzt Dr. Werner Strahl, dessen engagiertes und hochkompetentes, persönliches Helfen mit den Teams von CAP ANAMUR in der eigenen Kinderklinik in Freetown während der Ebola-Krise in Sierra Leone noch allen deutlich in Erinnerung ist, war noch im vergangenen Dezember selber in Somaliland vor Ort. „Gemeinsam mit ihm und seiner Organisation CAP ANAMUR als Krisenhelfer dürfen wir hier vom Niederrhein aus – so wie es oft auch bei Dr. Rupert Neudeck und Aktion pro Humanität Tradition hatte – zuarbeiten und Hilfe für die Afflicti unserer Welt, die vom Hunger geschundenen Menschen in Ostafrika leisten“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers.

„Ich bin sehr glücklich über diese Chance für uns hier, bitte helfen Sie alle nach besten Kräften mit. Denn die optimale Potentialentfaltung und Teilhabe eines jeden Menschen ist nicht nur unser Anrecht und das unserer Kinder; es ist im Sinne einer allumfassenden Gerechtigkeit und mitmenschlichen Liebe auch unsere Verantwortung. Etwas, das wir wirklich realisieren können.“

60 Prozent der Menschen in dieser Region sind Nomaden. Sie haben 70 Prozent ihrer Viehbestände durch die chronische, langanhaltende Dürre verloren.

Damit sind sie gänzlich mittellos. Sie hungern und sind auf unsere Hilfe angewiesen, um zu überleben.

So wie Roland damals …