{"id":3367,"date":"2018-08-20T13:06:49","date_gmt":"2018-08-20T12:06:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pro-humanitaet.de\/?p=3367"},"modified":"2020-08-03T09:52:35","modified_gmt":"2020-08-03T08:52:35","slug":"interview-mit-dr-elke-kleuren-schryvers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/interview-mit-dr-elke-kleuren-schryvers\/","title":{"rendered":"Interview mit Dr. Elke Kleuren Schryvers"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Stiftung Aktion pro Humanit\u00e4t &#8211; August 2018<br \/>\n<\/strong>Ver\u00f6ffentlichung in der NRZ vom 14. August 2018, Redaktion: Heike Waldorf-Sch\u00e4fer<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren Sie sich mit Ihrer Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanit\u00e4t) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im Busch installiert \u2013 alles mit Hilfe von Spenden. Im November wird eine Kinderstation er\u00f6ffnet. Werden Sie eigentlich nie m\u00fcde?<br \/>\n<\/strong>Nein, in Anbetracht der Situationen, die die Menschen in diesen beiden L\u00e4ndern vorgeben, ihre Lebensbedingungen, ihre Perspektiven, kann man gar nicht m\u00fcde werden. Und wenn nahezu 70 Millionen Menschen auf der Flucht sind, k\u00f6nnen wir nicht die Beine hochlegen auf unserer Insel der Seligen. In Zeiten, in denen die Angst vor dem und den Fremden, so gesch\u00fcrt wird, statt sie zu lindern, muss man agieren. Sie klar und unzweifelhaft f\u00fcr Mitmenschlichkeit und Solidarit\u00e4t aussprechen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3376 alignleft\" src=\"https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an-158x300.jpg\" alt=\"\" width=\"158\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an-158x300.jpg 158w, https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an-542x1030.jpg 542w, https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an-371x705.jpg 371w, https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an-450x855.jpg 450w, https:\/\/pro-humanitaet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/180818-NRZ-was-treibt-sie-an.jpg 565w\" sizes=\"(max-width: 158px) 100vw, 158px\" \/><\/a>20 Jahre sind eine lange Zeit.<br \/>\n<\/strong>Das Krankenhaus der Aktion pro Humanit\u00e4t in Benin konnten wir 1995 er\u00f6ffnen. Begonnen hat es mit wirklicher medizinischer Basisversorgung der Menschen. Wir hatten anfangs nicht viel zur Verf\u00fcgung &#8211; einige Medikamente, ein paar Stethoskope und Blutdruckmesser, ein Mikroskop, einige Hals-Nasen-Ohren-Lampen und Mundspatel, ein bisschen Naht- und Verbandsmaterial, einige Infusionssets.<\/p>\n<p><strong>Das klingt abenteuerlich.<br \/>\n<\/strong>Das war es auch. Eine lokale An\u00e4sthesie vor einer Wundversorgung etwa kannte niemand. Die Menschen umarmten uns mit Tr\u00e4nen in den Augen, weil sie gar nichts sp\u00fcrten, wenn wir eine Kopfplatzwunde oder eine Macheten-Schnittwunde von der Feldarbeit versorgten. Und die Aidspatienten verstanden gar nicht, dass wir mit ihnen bei den Beh\u00f6rden streiten wollten, damit es endlich Aidsmedikamente im Land geben konnte. Heute ist unser Hospital in Gohomey, nah an der Grenze zu Togo, ein spezialisiertes Zentrum &#8211; das Zweitgr\u00f6\u00dfte im Land -f\u00fcr die Diagnostik und Therapie von HIV\/Aids.<\/p>\n<p><strong>Wie muss man sich das Leben im westafrikanischen Busch im Jahr 2018 vorstellen?<br \/>\n<\/strong>Nun, ehrlich, in vielen Bereich wie vor 150 Jahren. In den Gro\u00dfst\u00e4dten werden Infrastruktur-Fortschritte sichtbar. In den l\u00e4ndlichen Gegenden ist die Zeit aber noch stehen geblieben \u2013 viele Menschen leben nach wie vor in einfachen Behausungen, ohne Wasser und Strom, zu allermeist in bitterer Armut.<\/p>\n<p><strong>Wie finanziert sich das Krankenhaus?<br \/>\n<\/strong>Aus den vielen kleinen \u201eKostenbeteiligungen\u201c der Patienten f\u00fcr ihre Behandlungen. Diese liegen unter denen der staatlichen Krankenh\u00e4user. Und dann sind es die Spendengelder vom Niederrhein. Wir k\u00f6nnen gar nicht laut genug Danke sagen. Und trotzdem bedeutet auch heute ein krankes Familienmitglied, das zur Behandlung im Krankenhaus ist, oft eine Mahlzeit weniger am Tag f\u00fcr den Rest der Familie.<\/p>\n<p><strong>2015 haben Sie in Benin Geschichte geschrieben.<br \/>\n<\/strong>Ein Jahr, das in die Geschichte des Projektes und der Gesundheitsversorgung der Menschen in dieser Region eingehen wird. Durch einen privaten Spender konnten zeitgleich eine digitale R\u00f6ntgenanlage und ein Operationscontainer angeschafft werden. Somit wurde auch die operative Behandlung, insbesondere auch Kaiserschnittentbindungen m\u00f6glich. 142 Geburten gab es im Mai diesen Jahres. 40 davon waren Kaiserschnitt-Entbindungen. Insgesamt gibt es monatlich ca. 60 Operationen in dem OP-Container. Pro Jahr werden aktuell sicher 25.000 &#8211; 30.000 Menschen bis in die Nachbarl\u00e4nder hinein (Togo und Nigeria) versorgt. Das Krankenhaus pulsiert &#8230;<\/p>\n<p><strong>Gibt es ein Erlebnis, ein Schicksal, dass Sie besonders in Erinnerung behalten haben?<br \/>\n<\/strong>Es gibt viele, tief bewegende Erinnerungen an einzelne Menschen und ihre Dankbarkeit \u00fcber die m\u00f6glich gewordene Hilfe \u2013 inzwischen sogar im ganzen Land. Eine besondere Erfahrung jedoch ist die Entwicklung des Projektes zum zweitgr\u00f6\u00dften Arbeitgeber in der Region. 85 beninische Mitarbeiter und ihre Familien stehen in Lohn und Brot der Aktion pro Humanit\u00e4t. Das ist die eine gro\u00dfartige Entwicklung. Das ist konkrete Lebensperspektive f\u00fcr die Menschen in ihrer Heimat.<\/p>\n<p><strong>Macht es sie zornig, dass sich in all den Jahren am Alltag vieler Menschen in Benin nicht viel ge\u00e4ndert zu haben scheint?<br \/>\n<\/strong>Nein, ich bin nicht zornig. Eher pragmatisch. Die Lebenssituation der Menschen in der Region Mono\/Couffo hat sich schon deutlich ver\u00e4ndert &#8211; durchaus zum Besseren. Durch das Krankenhaus sind Strom und Wasser in die Region gekommen, Schulen, die medizinische Versorgung ist ad\u00e4quat bis fortschrittlich. Ebenso ist die medizinische Versorgung entschieden besser als in anderen Regionen. Und wir sp\u00fcren sehr viel und wachsendes Vertrauen der Menschen in einer Region, die \u00fcberwiegend noch vom Glauben an G\u00f6tter, Geister und Ahnen dominiert wird.<\/p>\n<p><strong>Im November werden sie erneut mit Medizinern aus Wesel, Emmerich, Xanten, Geldern, Kevelaer, Moers nach Gohomey aufbrechen und einen neuen Krankenhausbereich er\u00f6ffnen.<br \/>\n<\/strong>Ja, wir werden eine p\u00e4diatrische Fachabteilung mit Neonatologie er\u00f6ffnen. Klein, aber ein wirklicher Segen. Damit ist ein weiterer Schwerpunkt gesetzt als Mutter-Kind-Behandlungszentrum. Eine kleine Zahnarztpraxis ist auf dem Krankenhausgel\u00e4nde ebenfalls in Bau. Wirtschaftlich betrachtet schafft unser Zentrum inzwischen ein Autofinancement von mehr ca. 84 Prozent f\u00fcr die entscheidenden Kosten\u00adbl\u00f6cke: L\u00f6hne der beninischen Mitarbeiter, Medikamente sowie medizinische Verbrauchs\u00admaterialien. Das gilt als sehr herausragend im Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>BOX:<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Projektleitung in Benin sucht die APH eine Interims-Projektleitung, die gemeinsam mit dem beninischen Leitungsteam vor Ort arbeitet. Die T\u00e4tigkeit ist auf etwa zehn Monate befristet \u2013 der oder die Bewerber sollten Franz\u00f6sisch sprechen und Freude daran haben, die Projektorganisation und -koordination sowie das Controlling zu \u00fcbernehmen. Idealerweise vielleicht sogar Erfahrung in Sachen Krankenhaus-Management mitbringen. Klar ist, es geht nicht um eine Abenteuer-Reise ins Land des Vodoo. Die Person muss die Bereitschaft mitbringen, sich auf einen g\u00e4nzlich anderen kulturellen Kontext und die Menschen dort einzulassen.<\/strong><\/p>\n<p>Infos: \u00a0www.pro-humanitaet.de<\/p>\n<p>Kontakt: Stiftung Aktion pro Humanitaet,<br \/>\nDr. Elke Kleuren-Schryvers, <a href=\"mailto:aktion-pro-humanitaet@web.de\">aktion-pro-humanitaet@web.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Vorstand der Stiftung Aktion pro Humanit\u00e4t &#8211; August 2018 Ver\u00f6ffentlichung in der NRZ vom 14. August 2018, Redaktion: Heike Waldorf-Sch\u00e4fer \u00a0Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagieren Sie sich mit Ihrer Hilfsorganisation APH (Aktion pro Humanit\u00e4t) in Westafrika. Es konnte eine Krankenstation gebaut werden, vor vier Jahren wurde sogar ein Operationscontainer im [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2,"featured_media":1525,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[40,4],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367"}],"collection":[{"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3367"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6016,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3367\/revisions\/6016"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pro-humanitaet.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}