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2018 – Tagebuch 5

Abschied von Gohomey, auf nach Niamey

6.00 Uhr morgens, Dienstag, 23.01.2018. Die Morgenfrische hier im Niger ist einfach wunderschön um diese Jahreszeit. Und als wir die kleine Privatkapelle von Laurent betreten mit einem prägnanten Altar-Bild in rot-braunen Farbtönen und einem ganz besonderen, in seiner Einfachheit bestechenden Kreuzweg, nimmt der Tag mit dieser kurzen, aber eindrucksvollen Eucharistiefeier einen ganz besonderen Lauf. Mich persönlich bewegt diese intensive, gerade auch spirituelle  Gemeinschaft von uns Fünfen zusammen mit Laurent nachhaltig.

Nach dem Frühstück gebt es ziemlich unmittelbar los. Trinkwasser ist in der Kühlbox an Bord. Kekse etc. ebenso. Zwei Pickups stehen an der Ausfahrt des Erzbischöflichen Terrains bereit – jeweils mit 6 Soldaten besetzt – Maschinengewehr im Anschlag. Begrüßung nicht gewünscht. Immer noch ist die Stimmung bedrückt auf Seiten unserer nigrischen Freunde ob dieser Aktion. Wir fünf können das so abbuchen, dass es sicher eine gut gemeinte Aktion der Botschaft war zu unserer Sicherheit. Wobei ich persönlich finde, dass Humanitäre so nicht im Land unterwegs sein  sollten und man Schutz  sicher auch diskreter gestalten könnte. Ausserdem: dieser Aufwand wird nur für uns Weisse betrieben.

Allerdings sagt Laurent auch, dass an Weihnachten der Schutz der Christen bei den Messen in der Kathedrale sehr professionell und gut war.

Beeindruckend auch, wie Laurent den interreligiösen Dialog wirklich verinnerlicht hat. Nahezu überall, wo wir beten, betet er auch ein muslimisches Gebet, wenn Muslime da sind und keiner sonst das übernimmt. Auch der Reisesegen in unserem Auto wird zunächst in Form eines christlichen Gebets und dann für einen mit uns reisenden muslimischen Mitarbeiter von Caritas Niger in einer ihm bekannten Gebetsform gespendet. Laurent sagt, dass jeder Priester im Niger auch drei wichtige, kurze Gebete der Muslime kennen muss.

Die Fahrt nach Makalondi verläuft im Konvoi mit den Militärs sehr zügig. Die Straßensituation lässt 120 km/Std. zu. Immer weniger Grünes sehen wir. Immer mehr tauchen wir tiefer in eine wirkliche Sahellandschaft ein. Kamele am Strassenrand, vollbeladene Eselskarren ….

Zuerst sehen wir Frauen aus der Frauengruppe Buamtandi. Wir lernen Schwester Perpetua kennen, die 54 Frauengruppen mit insgesamt ca. 2000 Frauen in landwirtschaftlichen Projekten und Viehzucht managt. Eine geniale, lachende Frau, der es unendliche Freude macht, wenn wieder eine dörfliche Gemeinschaft über die Frauen integriert werden will bei Buamtandi. Die Frauen tanzen und singen, danken und sind sehr froh.

Anschließend fahren wir weiter zum Gemüsegartenprojekt. Wir fahren zwei, drei Kilometer. Sand, alles ist trocken, staubig. Etwas Buschwerk nur. Auf einmal eine Fläche von ca. einem Hektar. Alles tiefgrün. Frauen gießen ihre kleinen Beete, säubern sie. Ein kleiner Oberflächenbrunnen liefert das Wasser. Man steht dort mitten in all der Dürre wie in einer grünen Oase. Es bewegt mich so, das mir die Tränen aufsteigen, ohne dass ich es verhindern kann. Was diese Frauen – Musliminnen und Christinnen – miteinander bewegen und wie viel Vorbereitungen und Energien es kostet, so weit zu kommen!

Dann fahren wir weiter in Laurents Heimatdorf. Dort sitzen wir kurz in seiner Hütte und treffen zunächst zwei seiner leiblichen Brüder. Einer ist nach dem Tod des Vaters Dorfchef geworden. Eine sehr eindrückliche Erscheinung ohne eine wesentliche Regung. Sehr stolz, sehr ernst. Erlässt keinen Zweifel daran, wer in der Familie bestimmt, auch wenn der jüngere Bruder Erzbischof ist. In der Familie von Laurent leben Muslime und Christen -wie überall – miteinander. Dann bittet Laurent Peter und mich, mit ihm seinen seit 45 Jahren schwerst geistig behinderten leiblichen Bruder in seiner Hütte zu besuchen und mit ihm dort bei dem Bruder zu beten. Als Kind war dieser Mann bis zu seinem 5. oder 7. Lebensjahr ganz gesund und blitzgescheit, wie Laurent berichtet. Die Ursache seiner Erkrankung ist völlig unklar geblieben bis heute…Trotz aller ärztlichen Konsultationen. Wir lassen etwas Geld als Hilfe dort…